Bereits zum 8. Mal konnten FAROS und die dfv Euro Finance Group mehr als 160 Personen zum renommierten FAROS Institutional Investors Forum im Rahmen der EURO Finance Week begrüßen. Dabei gab es einiges zu besprechen: Nicht zuletzt in diesem Jahr waren die Kapitalmärkte durch eine weitere der scheinbar vielen Krisen unserer Zeit durchgeschüttelt worden: Der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehenden (zusätzlichen) Liefer- und Energieengpässe verunsicherten Märkte und Unternehmen massiv, gleichzeitig ließen sie die Inflation sprichwörtlich durch die Decke schießen. Dies wiederum verleitete die Fed und EZB zu historisch hohen Zinsschritten – und dass nach zehn Jahren Niedrigzinsphase, die ihrerseits bereits fest geglaubte Anlagegrundsätze auf den Kopf gestellt hatte. Letztendlich betrug der Verlust an den Aktien- und Rentenmärkten allein in diesem Jahr zeitweise bis zu -15%. Nicht umsonst lautete das Motto der diesjährigen FAROS-Konferenz denn auch „Zins- und Zeitenwende“.
Dieses Motto wurde auch gleich vom prominenten Keynote-Sprecher des Tages aufgegriffen: Prof. Gabriel Felbermayr, früherer Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel und heute Präsident des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung. In einem kurzweiligen und wohltuend faktenbasierten Vortrag legte er dar, dass sich die viel beschworene Zeitenwende zumindest ökonomisch so nicht beobachten lasse: Die Zahlen legten nahe, dass die wirtschaftliche Erholung nach Ausbruch der Coronapandemie in den meisten Branchen und Teilbereichen deutlich schneller erfolgte als z.B. nach der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009. Die konjunkturpolitisch motivierten Rettungspakete der Bundesregierung erwiesen sich im Nachgang als zu überdimensioniert – „die Resilienz der Wirtschaft wurde unterschätzt“, so das Fazit Felbermayrs. Auch so manche mediale Berichterstattung hätte sich Felbermayr vor diesem Hintergrund ausgewogener gewünscht. Allerdings sei diese Tendenz zur Hyperbole, sprich zur Übertreibung, menschlich und psychologisch erklärbar, zudem sei man im Nachgang immer schlauer – sie könne aber auch als Erklärung dafür herhalten, warum noch im Sommer renommierte Wirtschaftsforschungsinstitute einen Einbruch der Wirtschaftsleistung im Winter um bis zu elf Prozent prognostizierten – für den Fall, dass russische Gaslieferungen ausblieben. Es war nicht weniger als eine fortwährende kritische Distanz, zu der Felbermayr die Zuhörer ermunterte – trotz aller sich häufenden Einschläge.
Das war das FAROS Institutional Investors Forum 2022
© dfv Euro Finance Group, Jose Poblete
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Diese Vorlage nahmen Dr. Peter Andres, Sprecher der Geschäftsleitung bei SIGNAL IDUNA Asset Management in Hamburg, Prof. Dr. Gunther Schnabl, Professor für Wirtschaftspolitik und Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Uni Leipzig, sowie Sebastian Schmid, Chefredaktion der Börsen-Zeitung, dankend auf – in der ersten prominenten Diskussionsrunde des Tages sprachen auch sie unter dem Motto „Zins- und Zeitenwende“ über ihre Sicht auf die Märkte, moderiert durch Uwe Rieken, Gründer und Geschäftsführer von FAROS. Fazit der prominenten Runde: Mit Bezug auf exogene Marktrisiken ist vermutlich auch im nächsten Jahr die Fahnenstange noch nicht erreicht, und auch darüber hinaus dürften vor allem geopolitische und regulatorische Risiken die institutionelle Kapitalanlage weiterhin herausfordernd halten. Ob man dabei so weit wie Prof. Dr. Gunther Schnabl gehen möchte, der etwa die Taxonomieverordnung der EU-Kommission für zukünftige Wohlstandsverluste und soziale Unruhen verantwortlich sieht, sei dahin gestellt – Resilienz und Weitsicht der Portfolios dürften aber weiterhin getestet werden.
Nach diesem ergiebigen Auftakt und einer kleinen Pause konnten sich die Gäste in einer ersten Runde von individuell ausgerichteten Roundtables über neueste Produkte und Strategien der Sponsoren-Anbieter informieren. Am Nachmittag folgten dann zwei parallel stattfindende, hochwertige Fachpanels: Thorsten Wellein, Senior Investment Consultant bei FAROS, sprach mit Hannes Banzhaf, stellvertretender Geschäftsführer und Leiter Finanzen bei der Carl Zeiss Stiftung in Stuttgart und Daniel Stengel, General Counsel European Commercial Real Estate Debt bei AllianceBernstein, zum Thema „ESG & Private Markets: Zielkonflikt oder Chance zur Umsetzung?“. Dr. Harald Eggerstedt, ebenfalls Senior Investment Consultant bei FAROS, diskutierte zeitgleich mit Dr. Stefan Fritz, Geschäftsführer der Stiftungen der Erzdiözese München und Freising, und Steffen Sihler, Geschäftsführer der W&W Asset Management in Ludwigsburg zum Thema „Anlegen in Zeiten hoher Inflation – welche Möglichkeiten gibt es?“. Anbieterseitig gesellte sich Alexander Raviol, Partner, CIO Alternative Solutions bei Lupus alpha, zur Runde. Nach einem weiteren Durchgang der Roundtables stellte Tamara Di Nanni, Senior Consultant bei FAROS Fiduciary Management, den anwesenden Gästen exklusiv die Ergebnisse der in diesem Jahr zum zweiten Mal durchgeführten FAROS Benchmarkstudie vor. Für die Studie befragte FAROS im Zeitraum zwischen 2021 und 2022 insgesamt 46 institutionelle Investoren mit einem Gesamtanlagevolumen von 220 Mrd. Euro zu den von ihnen entrichteten Verwahrstellen- und KVG-Gebühren. Die Ergebnisse überraschten die Studienleiterin selbst: Denn anders als etwas Kosten im Asset Management haben sich die Gebühren für Verwahrstellen seit der erstmals durchgeführten Studie 2013 kaum verändert. Zudem zeigt die Studie, dass es bei den Master-KVG-Gebühren offenbar kaum einen Zusammenhang zwischen dem verwalteten Vermögen und der Höhe der Fees gebe. Das Fazit der Expertin: „Ein prüfender Blick, vor allem auf sogenannte Altverträge, lohnt sich auch im Bereich der Administrationskosten immer.“
Als letzten Programmpunkt gab Felix Hufeld als ehemaliger BaFin-Präsident Einsichten in die Logik der Finanzaufsicht – für viele Markteilnehmer ist diese aufgrund immer weiter ausufernder Dokumentations- und Administrationspflichten nicht immer ganz erkennbar. Im anschließenden Zwiegespräch mit Andreas Scholz Geschäftsführer der dfv Euro Finance Group, konnte Hufeld wichtige Punkte beim institutionellen Publikum wettmachen und erklären, warum er aufgrund der sich immer rasanter vollziehenden Entwicklung der Markt- und Weltlage den Regulierungsdruck eher zu- denn abnehmen sieht. Die abschließende Diskussionsrunde nahm sich nochmal eines großen Themas an: Unter dem Motto „Anlageperspektiven 2023 – Die besten Strategien im derzeitigen geld- und geopolitsichen Umfeld“ sprachen in Vertretung für den Vorstandssprecher der Pensionskasse für die Deutsche Wirtschaft, Bernhard Gilgenberg, der dortige Leiter Kapitalmarkt Christian Dahl mit Dr. Armin Sandhövel, Co-Founder und Managing Partner bei Nixdorf Asset Management, Dr. Uwe Siegmund, Chief Investment Strategist der R+V Versicherung in Wiesbaden sowie Dirck Smolka, Vorsitzender des Verwaltungsrates beim Versorgungswerk der Zahnärztekammer Nordrhein (VZN) über ihre Perspektiven und Pläne für das nächste Jahr. Moderiert wurde die Runde von Jürgen Huth, Geschäftsführer bei FAROS, der folgendes Fazit zog: „Auch wenn durch die nun eingeleitete Zinswende Renten wieder in den Fokus vieler Anleger rücken, werden die über die letzten zehn Jahre aufgebauten Alternatives ihre Bedeutung nicht verlieren: Sie sind aus institutionellen Portfolios nicht mehr wegzudenken und haben sich fest etabliert.“ Auch sei das Thema ESG mittlerweile fest im Anlageprozess verortet.