Asset Owner und Asset Manager diskutierten beim FAROS Investment Summit 2025 über ihre Herangehensweise und ihre Erwartungen an aktives Aktienmanagement.
In der institutionellen Kapitalanlage sehen sich aktive Ansätze der zunehmenden Konkurrenz passiver Strategien gegenüber. Das zeigte auch der FAROS Power Talk zum Thema „Aktive Aktienstrategien im Fokus: Welche Faktoren entscheiden über den Erfolg?“ Über ihre Einschätzung aktiver Strategien und ihren Ansatz in der Allokation sprachen Sven Schuster, Leiter Kapitalanlagen bei der Postbeamtenkrankenkasse, Carl-Theodor Toerring, Verantwortlicher Kapitalanlagen beim Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (VBM) und Ulf Plesmann, CFA, CESGA, Co-Head of Equities bei Metzler Asset Management. Passive Strategien standen zwar nicht auf der Agenda, auf dem Panel waren sie trotzdem rasch ein Thema.
Aktienstrategien als wichtiger Werttreiber
Die Postbeamtenkrankenkasse fährt in der Kapitalanlage schon seit vielen Jahren eine für die Versicherungsbranche relativ hohe Aktienquote, erklärt Kapitalanlagen-Leiter Sven Schuster. In illiquiden Anlagen sei die Postbeamtenkrankenkasse dagegen nur in geringem Umfang investiert „Die Aktienquote übernimmt bei uns ganz klar die Funktion des Werttreibers im Portfolio“, so Schuster. Dabei gab es zuletzt eine grundlegende Veränderung: Nach einer intensiven Testphase stellten Schuster und sein Team Ende 2024 die früher fast ausschließlich aktive Aktienallokation vollständig auf passiv um. Das habe verschiedene Gründe, erklärt der Leiter Kapitalanlage. So sei man ganz überwiegend in hochliquiden, hocheffizienten Aktienmärkten unterwegs und Transparenz und Einfachheit seien sehr wichtig. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Die Satzung der Kasse gibt eine harte jährliche Wertuntergrenze und die Pflicht zur Wertsicherung vor. Hier hätten die früheren Kursrückgänge an den Finanzmärkten gezeigt, wie wichtig ein möglichst geringer Reibungsverlust zwischen Aktienportfolio und der Sicherung durch standardisierte Derivate sei. Für Schuster ist die Schlussfolgerung klar: „Wir müssen ganz klar die Sicherung priorisieren gegenüber einen potenziellen Überrendite.“ Das passive Vorgehen sei die logische Konsequenz.
Aktive Bausteine in der Strategischen Asset Allokation
Auch Carl-Theodor Toerring, Verantwortlicher für Kapitalanlagen beim Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (VBM), sieht einige Vorteile bei passiven Strategien: Man wolle die liquiden Anlageklassen eins-zu-eins abbilden und das gehe über hochliquide ETFs einfacher und flexibler als mit aktiven Strategien. Potenzial für aktive Strategien sieht Toerring unter anderem bei einem Core-Satellite-Ansatz: Hier würden sich bestimmte Komponenten besser über aktive Bausteine investieren lassen. Wichtig sind Toerring klare Linien, auch in der Kommunikation mit den Gremien, die vor allem die wichtigsten Indizes im Blick haben: Ein großer Tracking Error sei erklärungsbedürftig und oft auch gar nicht gewünscht. Zudem sei auch beim VBM das Risiko-Overlay über Derivate auf hochliquide Märkte wie S&P 500 oder Euro Stoxx zugeschnitten: „Wenn ich da einen hohen Tracking Error fahre, gerade ich potenziell in Erklärungsnöte.“ Daher sei es aus verschiedenen Perspektiven durchaus verständlich, dass viele institutionelle Investoren stärker in Richtung passiver Strategien gehen. „Letztlich muss der Werkzeugkasten einfach zusammenpassen“, so Toerring.
Magnificent Seven machen aktives Management nicht leichter
Auch der gestiegene Anteil passiver Gelder mache es aktiven Managern im aktuellen Marktumfeld nicht einfacher, Alpha zu generieren, erklärt Ulf Plesmann, Co-Leiter Aktien bei Metzler Asset Management. Perspektivisch könnte sich die Situation für die Aktiven verbessern, wenn die Magnificent Seven an Zugkraft verlieren. Doch in den vergangenen Rückschlägen wie dem DeepSeek-Schock Ende Januar oder nach dem Liberation Day Anfang April sei es vor allem wichtig gewesen, sich nicht in defensivere Positionen drängen zu lassen. Natürlich könnten sich aktive Manager bei Kursrückgängen besser profilieren, sagt der Aktien-Experte, deshalb sehne er sich aber keinesfalls die nächste Krise herbei: „Wer immer ‚bearish‘ ist, liegt in zehn Jahren vielleicht eineinhalb Jahre richtig, aber das Gesamtergebnis ist trotzdem verheerend“, sagt Plesmann. Man müsse vor allem in den Aufschwungphasen vernünftig investieren und Alpha generieren.
Bei neuen Portfolioholdings hat Plesmann immer den Anspruch, sich langfristig an den Unternehmen beteiligen zu wollen. Dazu möchte er visible Wachstums-Treiber sehen. Das sind zum einen die Absatzmärkte: „Wenn ich Endmärkte mit strukturellem Rückenwind habe, ist das schon mal eine gute Voraussetzung, damit ein Unternehmen florieren kann.“ Stromerzeugung und Stromnetze seien etwa solche Segmente. Wo viel Wachstum ist, gebe es aber viel Wettbewerb, auf einer zweiten Ebene achte man deshalb auch auf die Geschäftsmodelle. Hat ein Unternehmen einen Burggraben und kann es seine Stellung dauerhaft verteidigen? Das seien wichtige Aspekte, ebenso wie das Management und die Bewertung. „Wenn man eine fantastische Firma mit einem starken Endmarkt hat, bleibt das selten vom Markt unbemerkt“, so Plesmann. Dafür sei man auch bereit, eine etwas höhere Bewertung einzugehen: „Wenn das Wachstum sich dann weiter fortsetzt, hat man gute Chancen auf überdurchschnittliche Erträge.“
Investoren suchen bei aktiven Managern klare Expertise
Bei aktiven Aktienstrategien sind für Sven Schuster ein klarer Prozess und eine klare Struktur unverzichtbar. Er erwartet von aktiven Managern zudem ein tiefes Verständnis für ihr Segment: „Der Manager muss zeigen: Das ist unser Thema und da kennen wir uns aus.“ Es brauche eine klare Systematik, an der sich der Manager auch orientiere. Schuster: „Wir müssen verstehen, was die Treiber sind, im Positiven wie im Negativen.“ Gerade bei aktiven Aktien-Strategien gehe es nicht nur darum, an positiver Marktentwicklung zu partizipieren, sondern auch die Verlierer zu vermeiden. Da könnten einige Aktien-Manager durchaus noch von Anleihen-Managern lernen“ sagt Schuster. Auch für den VBM-Kapitalanlage-Verantwortlichen Toerring steht bei aktiven Aktienstrategien im Vordergrund, wie Manager eine Überrendite erzielen wollen. Zudem sollten sie ihrer Anlageklasse treu bleiben: „Ich will einen Manager, der wirklich repräsentativ die Asset Klasse abbildet.“
Dem stimmt Metzler-Experte Plesmann zu, allerdings müsse man sich den Realitäten stellen. Als Beispiel nennt er den Zinsanstieg 2022: Dieser sei Gift für Wachstumsaktien gewesen. Man sei damals zwar dem Fokus auf Qualität und Wachstum treu geblieben, habe aber besonders teure Titel reduziert und Energiewerte etwas aufgestockt. „Wenn sich das Umfeld grundlegend ändert. dann muss ich auch Pragmatismus mitbringen, bevor ich das Portfolio gegen die Wand fahre“, sagt Plesmann.
Sicherungen sind eine Frage der Risikotoleranz
Ein wichtiges Thema für viele Investoren ist die Wertsicherung: „Wenn ich einen klaren Abwärtstrend habe, dann funktionieren solche Instrumente natürlich“, sagt Sven Schuster. So sei das etwa in der Zinswende gewesen, die sich nach und nach abgezeichnet habe. Ganz anders dagegen im Corona-Schock oder nach dem Liberation Day. Besonders Märkte mit einem ausgeprägten V-Muster seien für Absicherungen schwierig, sagt Schuster. Da habe man zwar Downside-Protection, aber bei der Partizipation nach oben sehe es meist schlecht aus. Generell hält Schuster den Begriff der Ergebnis-Glättung ohnehin für besser geeignet als den Begriff Wertsicherung. Eine interessante Perspektive sei es zudem, wie aktiv solche Sicherungen sein sollten, insbesondere wenn sie eine passive Aktienallokation absichern sollen.
VBM-Investor Toerring betont die Abhängigkeit vom jeweiligen Risikoprofil: Ein sehr defensiv aufgestellter Versicherer, der sein Asset Liability Matching (ALM) risikoavers steuern müsse, habe natürlich ein größeres Augenmerk auf der Wertsicherungsgrenze. Für andere Anleger – wie auch den VBM – könne das anders aussehen. Bei starken Trends sei der messbare Vorteil eines Risiko-Overlays natürlich am größten. Klar ist für Toerring: „Defacto zahlt man immer für die Absicherung.“ „Je unregulierter ich bin, umso mehr Freiheiten habe ich grundsätzlich“, so Toerring. Da gelte es, den richtigen eigenen Weg zu finden. Seiner Erfahrung nach kann es sich auch lohnen, einen kleinen Bodensatz wie eine Versicherungsprämie regelmäßig zu investieren, um über Optionen potenzielle Drawdowns zu überbrücken.
Aktives Vorgehen auch beim Währungs-Management
Auch Absicherungen von Währungsrisiken treten in Folge der aktuellen Dollarschwäche stärker in den Fokus: Bei der Postbeamtenkasse hatte man sich bis vor kurzem grundsätzlich an die Faustregel gehalten, Aktien-Positionen offenzulassen und Anleihen weitgehend abzusichern. Das sei langfristig sehr erfolgreich gewesen, vor einiger Zeit habe man aber das Währungs-Overlay bei Anleihen an einen externen Manager vergeben, so Schuster. Als der zu Jahresanfang in die Sicherung ging, sei er zunächst noch etwas überrascht gewesen. Doch die Entwicklung seither habe ihn so überzeugt, dass er einen weiteren Ausbau solcher Ansätze nicht ausschließen möchte – auch nicht über Anleihen hinaus.